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Es lebe das Ritual :

Kapitän Jiannis und sein Boot Ágia Iríni in Pythagorion

 

ZOOM +ZOOM +Jeder, der abends in Pythagorion am Hafen entlang gelaufen ist, wird sicherlich Kapitän Jiannis und sein Boot Agia Irini mit den zwei jungen Zicklein darauf entdeckt haben.

ZOOM +Kapitän Jiannis ist ein mit allen Wassern und Ouzos gewaschener Seebär, ein echtes Original, so wie sich fast jeder einen Seemann vorstellt . Alter schwer einschätzbar, so um die Mitte 50, von eher kleiner Statur, aber mit dunkelgebrannter Haut, drahtigem, muskulösem Körper, bärtigem Gesicht, und meist mit Kappe auf dem schwarzen, wilden Haar.

ZOOM +Jiannis ist mit der Norwegerin Elisabeth zusammen, ein, zumindest von außen gesehen, ungleiches Paar. Der rauhe, muskulöse, verschwitzte und in der Sprache öfters auch mal vulgäre Naturbursche in verwaschenen kurzen Hosen und Shirt, und die kleine, zart anmutende, zurückhaltend lächelnde und stets gut gekleidete Frau mit perfektem Englisch! Sie begleitet ihn auf seinen Ausfahrten auf dem Boot und hilft ihm.

ZOOM +Jiannis hat noch zwei Brüder, Gerasimos und Andreas, zusammen werden sie die 'Three Brothers' genannt. Früher hatten sie mal jahrelang eine Bouzouki-Bar gleichen Namens in der Nähe des Flughafens betrieben. Die beiden anderen Brüder haben ebenfalls Boote, mit denen sie Touristen von Pythagorion aus zu Ausflügen aufs Meer, zum Psili Amos Strand und zur Insel Samiopoula fahren.

Jiannis ist von den dreien eindeutig der auffälligste, lauteste und auf Publikumswirkung bedachte. Kapitän Jiannis ist ein Publikumsliebling und einZOOM + Marketing-Genie in eigener Sache! Tagsüber ist seine Residenz auf seinem Boot, sei es auf See oder im Hafen, oder in der sich gegenüber dem Anliegeplatz befindliche Bar 'Mousses'. Auf oder an seinem Boot ist immer etwas los, selbst am Montag, seinem Ruhetag!. Apropos Ruhetag. Oft sind dann Sonderfahrten angesagt. Wie mir Elisabeth mitteilte, bedeutet die Sommersaison für die beiden Arbeit mehr oder weniger rund um die Uhr.

Liegt das Boot vertäut im Hafen, so bereitet Jiannis bestimmt gerade seine nächsteZOOM + Fahrt vor, die zwei jungen Ziegen laufen auf dem Boot herum und alle bleiben stehen, um den possierlichen Tieren zuzusehen oder sie zu streicheln oder zu photographieren. Abends sitzt Jiannis oft mit einigen Leuten unter einer Lampe auf den beiden langen, quergestellten Sitzreihen mitten auf seinem Boot und feiert bei Wein und Ouzo, seine krächzende Stimme ruft wieder und wieder laut: 'Jamas' und er animiert alle ständig zum Weingenuß.

ZOOM +Dann sitzt Elisabeth oft lange allein in der Bar 'Mousses' gegenüber der Anlegestelle oder im Restaurant 'Polikratis'nebenan und wartet, bis er sein Boot endlich verlässt und zu ihr kommt und sie gemeinsam im Restaurant essen und dann nach Hause gehen.
Manchmal stellt Jiannis einen Grill direkt vor seinem Boot auf dem Kai auf und grillt garantiert frische Fische oder Hummer oder auch mal ein kleines Lamm am Spieß und der tolle Bratgeruch steigt allen Vorbeiflanierenden verlockend in die Nase. Immer wieder bilden sich Trauben von Schaulustigen vor dem Boot. Wer Jiannis kennt und/oder Glück hat, wird auf einen Bissen oder Schluck ins Boot eingeladen.

ZOOM +ZOOM +ZOOM +Außer montags fährt er jeden Tag mit seinem Boot voller Touristen hinaus aufs Meer, tagesabhängig zur Insel Samiopoula und zum Picknick in die Tsopela Bucht oder zur Tour mit Fischfang. Er akzeptiert nur direkte Buchungen bei ihm. Darauf legt er richtig viel Wert, daß er nicht mit Reiseveranstaltern zusammenarbeitet ! Jeder, der mit ihm fahren will, sollte sich also wenigstens einen Tag vorher in das am Anlegeplatz seines Bootes ausliegende Buch eintragen.

ZOOM +ZOOM +Wer mit ihm zu einem Picknick fährt, wird wirklich keine Langeweile haben. Meist ist sein Boot gefüllt mit Abenteuerlustigen. Unterwegs gibt es immer jede Menge Scherze von ihm, Ouzo oder süßen Wein en masse, und immer zwischendurch kleine Happen zu essen (Tomaten, Gurken, Brot, Käse)

Das Schneiden der Gurken und TomatenZOOM + wird wieder zum Ritual ausgestaltet.

ZOOM +ZOOM +Und er mischt sich auch immer wieder unter die Fahrgäste und sorgt für Stimmung, z.B. indem er die 2 Zicklein mit Milch füttert, wobei sie oft an ihm herumknabbern, auf ihm herum oder über ihn springen.

Und dann natürlich die Badestops in wunderschönen Buchten mit kristallklarem Wasser, z.B. in der Bucht auf Samiopoula ZOOM + mit türkisfarbenem Wasser, herrlichem Sandstrand und Wellen und mit Blick auf das Kerkis-Massiv, oder in der windgeschützten Tsopela-Bucht
Von den mitgefahrenen Helfern wird in der Tsopela-Bucht an einer Hütte etwas oberhalb des Strandes ein Mittagessen zubereitet, eine Glocke ruft dann die Sonnenanbeter weg vom Strand zum Essen. An langen Tischen unter einem Strohdach sitzend kann man seinen Hunger mit Fisch oder Fleisch vom Grill und diversen Salaten stillen. Anschließend, natürlich wieder nach Ouzo-Genuß, gibt es eine seiner speziellen Shows, in denen er in ulkigen Verkleidungen auftritt.

Und man bekommt garantiert auch eine Einführung in 'Sexy Coffee'. Mehr sei hier aber nicht verraten!

Zum Abschluss gibt es noch einige Runden gemeinsamer griechischer Tänze, dann gehen alle wieder zum Strand hinunter. Der weitere Nachmittag wird bis 16 Uhr mit Schwimmen und Sonnenbaden verbracht. Auf der Rückfahrt entlang der Südküste gibt es dann noch mal einen Badestop im offenen Meer, da kann man dann vom Boot aus direkt ins tiefe, blaue Wasser springen.
Auf dem letzten Teil der Rückfahrt vom Tagesausflug nach Samiopoula / Tsopela-Bucht führt Kapitän Jiannis dann seine waghalsigen Kletterkunststücke und gymnastisch-artistischen Einlagen hoch in der Takelage seines Schiffes vor. Und das natürlich genau bei der Vorbeifahrt in Sichtweite des langestreckten Strands zwischen dem Doryssa Bay Hotel und dem Burghügel von Pythagorion.

ZOOM +Am späten Nachmittag, irgendwann zwischen 17:15 und 17:30 Uhr, kann man dann das Ankunftsritual von Kapitän Jiannis mit seinem Boot Agia Irini im Hafen von Pythagorion erleben. Bevor er in den Hafen einfährt, studiert er mit den Tagesausflüglern auf seinem Boot bei einer Ehrenrunde in der außerhalb liegenden Bucht erst einen Tanz ein. Bei der Einfahrt in den eigentlichen Hafen beschallt er dann die ganze Bucht mit bis zur Verzerrung aufgedrehter Tanzmusik, die ouzo-trunkenen und sonnendurchglühten Touristen tanzen dazu fröhlich Sirtaki auf seinem Boot, falls sie noch können.ZOOM +ZOOM +

Und Kapitän Jiannis lenkt sein Boot lässig mit einer Hand oder stellt einen Fuß auf das Ruder, und in der anderen Hand hält er eine große Muschel und die produzierten tiefen Töne erregen überall zusätzliche Aufmerksamkeit.

ZOOM +Wenn er sein Boot dann sicher am Hafenkai gegenüber dem ZOOM +Café 'Mousses' vertäut hat -  übrigens das einzige Boot, welches längs am Kai im Hafen festmacht  -  gibt es noch das Ritual des 'Melonen schneiden', bevor die Reisenden das Boot verlassen. Dabei wird von ihm zunächst ein langes Messer gewetzt und dann stellt der Kapitän mit krächzender Stimme die wichtige Frage bei hochgehaltenem, gefährlich aussehendem Messer: 'anybody has problems with his wife?'.

Da niemand bejaht bzw. das zugibt, schneidet er anschließend mit wenigen Bewegungen ZOOM + und in unglaublicher Geschwindigkeit und Kunstfertigkeit mit demZOOM + scharfen Messer 1-2 große Melonen in kleine Stücke, die dann an die Ausflügler verteilt werden. Zum Schluß wird jeder Gast beim Verlassen des Bootes auf der Hafenmole persönlich verabschiedet.

In der Zwischenzeit haben Andreas oder Janita im 'Mousses' (Name der Bar: Stand 2003) für Kapitän Jiannis Tische reserviert und an 'seinem' Tisch ganz vorne links steht sein Lieblingsgetränk schon parat. Er geht dann die drei Meter von seinem Boot hinüber auf seinen Platz, läßt sich dort nieder, schlägt die Beine übereinander  -  und nach einer kurzen Verschnaufpause  -  hält er sein Glas hoch und krächzt mehrmals  'Jamas'. Dort hält er dann noch für längere Zeit 'Hof', umgeben von der Schar seiner Getreuen und VerehrerInnen.

Eine andere Seite von Jiannis habe ich am 6. Oktober 2002 erlebt. Es war bereits spät am Abend, als ein Sturm losbrach. In einem kleinen Boot mit Außenbordmotor auf den Wellen tanzend half er noch  -  per Schleppmanöver  -  lange nach Mitternacht der Mannschaft einer Segelyacht, die auf der Suche nach einer Anlegestelle wegen Ruderschadens manövrierunfähig im Hafen von Pythagorion herumtrieb und immer wieder mit den vertäuten Schiffen kollidierte.

An einem Tag in der Woche (2003: jeweils freitags abends), veranstalten alle drei Brüder zusätzlich eine gemeinsame Fahrt mit einem oder mehreren Booten bei Sonnenuntergang zu einer Fischtaverne nach PosidonioZOOM +. Die Abfahrtszeiten verändern sich über die Saison, abhängig von der jeweiligen Sonnenuntergangszeit. Schön ist die Fahrt im Licht der abendlichen Sonne aus dem Hafen hinaus mit dem Blick zurück auf PythagorionZOOM +. Dann an der Baustelle für den neuen Yachthafen und den Hotelkomplexen Proteas Bay / Princessa / Glicorisa Beach vorbei und gemächlich durch die Meerenge an Psili Amos und Klima vorbei gleitend nach Posidonio.

Die Fahrt eröffnet ungewohnte Ansichten von Samos, z.B. den Blick auf das vom Hafen von Pythagorion aus nicht sichtbare Kerkismassiv, und den Blick durch ein Tal hinauf bis zu den Lichtern des an den östlichen Ausläufern des Ambelosgebirges liegenden Mytilini! Und auf der anderen Seite leuchtet die zum Greifen nahe türkische Küste mit ihren hohen Bergen im rötlichen Licht der tiefstehenden Sonne, bis dann allmählich das Rot verblasst und erst graue und dann schwarze Schatten das Küstengebirge hinaufklettern.

Der Blick schweift zurück ZOOM +auf den gelborangeroten Abendhimmel mit der tiefstehenden SonneZOOM + über den nun dunklen Bergketten von Samos oder erfreut sich an den sich stetig verändernden Pastellfarben der Wasseroberfläche und den Farbschattierungen der Küstenlinie. Etwa 30 - 40 Minuten nach Fahrtbeginn (im Juni / Juli) geht die Sonne dann über dem Ambelosgebirge endgültig unter und hinterlässt einen prachtvoll strahlenden AbendhimmelZOOM +.

Falls mehrere Boote unterwegs sind, gibt es lustige Verfolgungsfahrten und 'Pseudoattacken'. Die Einfahrt in die kleine Bucht von Posidonio und das Anlegen am Steg vor der nachts mit vielen Lichtern beleuchteten Fischtaverne ZOOM +beendet den ersten Teil des Ausflugs und erfordert von Jiannis und seinen Begleitern noch mal hohe Konzentration. In der Taverne wird es jetzt richtig voll. Alle stürzen zu den Tischen, die Stühle und Tischreihen stehen eng nebeneinander, ein Chaos für kurze Zeit. Viele wollen natürlich neben Kapitän Jiannis oder zumindest an seinem Tisch sitzen.

Eine Bouzouki-Band (3-4 Mann) spielt auf, laut wie immer in Griechenland. Nach dem Essen und Trinken gibt es dann als absolutes Highlight die griechischen Tänze der drei Brüder zu bestaunen. Jiannis glänzt mit kraftzehrenden, artistischen Einlagen, z.B. mehreren Saltos, unglaublich bei dieser Hitze, und ist bald schweißüberströmt. Teller werden von ihm auf den Boden geworfen, die Scherben liegen überall, ein Kreis mit Spiritus auf den Tavernenboden gezeichnet und entzündet und dann folgt der Tanz im Feuerkranz.

Die beiden anderen Brüder gehen es an diesem Abend deutlich verhaltener an. Anschließend werden natürlich auch die Touristen aufgefordert, mitzutanzen. Wobei oft erst ein mehrmaliges Auffordern oder Anpacken durch einen der drei Brüder die meist tanzfaulen Touris von ihren Stühlen und doch noch in Bewegung und ins Schwitzen bringt.

Voll vom Erlebten und angefüllt mit Essen / Wein wird dann nach etwa 2,5 Std. die Rückfahrt nach Pythagorion angetreten, jetzt durch die dunkle, warme Nacht. Das Erlebnis des prachtvollen Sternenhimmels in der dunklen Meerenge zwischen der Türkei und Samos ist wirklich einzigartig. Natürlich wird wieder mit Wasser verdünnter Ouzo gereicht und der Meister persönlich gibt seine Erklärungen zu den Sternbildern am Himmel ab und weist per Strahler auf die wichtigsten Konstellationen hin.

Bei der Einfahrt in den Hafen von Pythagorion irgendwann zwischen 23 und 24 Uhr erwacht erneut das Marketinggenie von Kapitän Jiannis! Zunächst wird wieder der ganze Hafen mit lauter Musik beschallt, und, damit es auch jeder hört, dreht sein Boot eine große Runde. Er klettert dabei hoch in die Takelage seines Schiffs und hält, auf dem Querbalken stehend, eine magentaleuchtende Fackel in gewagter Pose hoch, während sein Boot im Hafen einen großen Bogen dreht.

Beeindruckend ist auch die Art und Weise, wie er sein Boot beim Anlegen in der Dunkelheit des Hafens steuert. Selbst nach viel Alkoholgenuß legt er noch durch virtuose Handhabung von Motor und Ruder eine Punktlandung im Hafen hin, ohne eines der dicht daneben liegenden anderen Boote auch nur zu berühren. Klasse!

Fazit: wer einen erlebnisreichen Ausflugstag mit direktem und intensivem Kontakt zu Sonne, Wind und Meer genießen will, sollte bei einer der Touren unbedingt mal mitfahren.

Anmerkungen:

  • Abendliche Fahrt nach Posidonio: Die Abfahrtszeiten verändern sich über die Saison, abhängig von der jeweiligen Sonnenuntergangszeit! Also vorher bitte genau informieren, sonst sieht man das (oder die) Boot(e) nur noch von hinten bzw. bereits weit draußen. Im Juni/Juli legt das Boot um 19:30 ab. Für die Fahrt nach Posidonio wird etwa 1 Stunde benötigt. Die Ankunft in Pythagorio ist zwischen 23:30 und Mitternacht.
    Im Ausflugspaket sind Essen und Trinken in der Taverne enthalten. Bezahlt wird auf dem Boot während der Fahrt, Kapitän Jiannis geht herum und fragt beim Kassieren, ob man Fisch oder Fleisch haben will.

Wer viel Wert auf gutes Essen / Trinken legt, sollte:

  • entweder nur die abendliche Hin-/Rückfahrt nach Posidonio bei Kapitän Jiannis buchen (das geht! 2003: 9 Euro)
  • oder aber mal separat nach Posidonio zu dieser Fischtaverne fahren
    und sich dort selbst einen guten Wein und einen leckeren Fisch  -  allerdings dann auch zu höheren Preisen  -  von der Speisekarte auswählen.
  • Tagesausflugsfahrt zur Insel Samiopoula / Tsopela-Bucht: sie führt nur vormittags, nach einem Zwischenstopp in der Tsopela-Bucht,  für 1 - 1,5 Std. zu dem herrlichen Strand auf Samiopoula, dann fährt Kapitän Jiannis wieder das Stück zurück zur Tsopela-Bucht, wo es das Mittagessen gibt und der Nachmittag bis 4 Uhr mit Schwimmen und Sonnenbaden verbracht werden kann. Die Benutzung der Sonnenliegen und -schirme in der Tsopela-Bucht wird extra berechnet. Außerdem kann man dort Keramiken und Handarbeiten erwerben.
  • Wer einen ganzen Tag auf Samiopoula (inkl. Picknick) verbringen will, sollte eine andere Tour buchen, z.B. die mit dem Boot von Kapitän Vassilis (separater Bericht HIER)

 

  Autor / Copyright © Peter Molz, 21.08.2003

e-mail : peter.molz@web.de

 

 

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