Ein Artikel, erschienen in der

FFZ - Feuerwehr Fachzeitschrift

Brandverhütung + Feuersicherheit - Zeitschrift für den vorbeugenden Brandschutz

 

Feuerwehr Insel Samos
Hilfe aus Deutschland

 

In vielen Nationen ist es um die Ausrüstung (vor allem der Freiwilligen) Feuerwehren nicht gerade rosig bestellt.

Immer wieder werden deshalb Hilfsaktionen durchgeführt, gehen in Deutschland ausgemusterte, aber durchaus noch taugliche Fahrzeuge und andere Geräte in die entsprechenden Länder.

Der nachfolgende Bericht informiert über eine solche Hilfsaktion für die Freiwilligen Feuerwehren auf der griechischen Insel Samos und macht deutlich, daß es mit einer einmaligen Unterstützung nicht getan ist.

Im Sommer 2000 wüteten auf der Insel Samos/Griechenland verheerende Waldbrände. Über Fernsehberichte konnten wir - in der ersten Reihe - miterleben, mit welch unzureichenden Mitteln und Kräften die katastrophalen Brände bekämpft werden mußten.

Ein Jahr später wurde ich nach meinem Ausscheiden aus dem aktiven Feuerwehrdienst von einem Passauer Bürger auf die besondere Situation der Insel Samos aufmerksam gemacht:

'Sie haben doch jetzt Zeit, könnten Sie nicht für die Samos-Hilfe Deutschland Ihr Fachwissen beim Neuaufbau der Freiwilligen Feuerwehren auf der Insel Samos einbringen?', so begann meine 'Anwerbung'.

Nach anfänglichem Zögern ließ mich der Gedanke doch nicht mehr los und ich machte mich mit den satzungsgemäßen Aufgaben der Samos-Hilfe Deutschland e.V. vertraut. Dieser gemeinnützige Verein hat es sich u.a. zur Aufgabe gemacht, bei der Ausrüstung und Ausbildung der neu aufzustellenden Feuerwehren zu helfen.

Dabei konnte fachlicher Rat (und Tat) von Nutzen sein.

Analysevor Ort

Vor der endgültigen Entscheidung wollte ich mir vor Ort selbst ein Bild machen und flog im Oktober 2001 nach Samos.

Nachdem das angekündigte Besuchsprogramm nicht vorbereitet war, ergriff ich die Initiative und erkundete die Insel sozusagen auf eigene Faust mit einem Jeep, um mir einen Überblick über das Ausmaß der schrecklichen Waldbrände sowie die geographischen und straßenmäßigen Verhältnisse zu verschaffen.

Wie in der Stadt Pythagorion fand ich immer wieder Feuerwehrfahrzeuge verschiedener Typen und Hersteller im Freien vor. Bis auf die Stationen Pythagorion und Kokkari sah alles nicht besonders vertrauenerweckend aus und ich erkannte schnell, daß ich hier nicht den Standard unserer Feuerwehren ansetzen konnte.

 In Pythagorion half mir schließlich der Zufall weiter:

Bei einem abendlichen Besuch in einem Lokal am Hafen wurde ich mit der Chefin des Hauses bekannt, die aus Haag bei Mühldorf stammt. Bei Heimaturlauben lernte ihr griechischer Ehemann das Feuerwehrwesen in Bayern kennen. Die FF Haag leistete wertvolle Anfangsdienste beim Altbau der FF Pythagorion. Das Ehepaar vermittelte mir nun wichtige Ansprechpartner und so konnten die ersten persönlichen Kontakte hergestellt werden.

Die Situationsanalyse ergab folgendes Bild:

Auf der Insel Samos mit ca. 650 km2 Fläche leben über 40.000 Einwohner. Diese Zahl nimmt laufend ab, da die Jugend auf das Festland abwandert.

Den Feuerschutz übernimmt seitens des Landes Griechenland die Berufsfeuerwehr mit den Standorten Samos-Stadt und Karlóvasi. Da beide Wachen auf der Nordseite der Insel liegen, sind weite Anfahrtswege unumgänglich. Die Fahrzeuge der BF stehen in Karlóvasi wie teilweise auch in Samos-Stadt im Freien.

Freiwillige Feuerwehren wurden erst vor wenigen Jahren gegründet. Sie sind weder organisiert noch hinreichend ausgebildet. Zu der Berufsfeuerwehr bestehen wenig Kontakte, es mangelt offenbar am gegenseitigen Verständnis.

Die angetroffenen (gebrauchten) Fahrzeuge - sie stammen aus den verschiedensten europäischen Ländern - sind nur ungenügend bestückt. Darunter leidet der Einsatzwert.

Die Gemeinden haben sich bisher ausschließlich auf den Staat und seine Berufsfeuerwehren verlassen Die Unterstützung beim Aufbau der Freiwilligen Feuerwehren (zusätzlicher Kostenfaktor) ist daher verständlicherweise sehr unterschiedlich.

Da die Freiwilligen Feuerwehren nicht organisiert sind, gibt es auch keinen zuständigen Ansprechpartner. Die Wehren versuchen, über Spenden aus der Bevölkerung Geräte und Ausrüstung zu beschaffen. Da es fast an allem fehlt, reichen die Gelder nicht aus; Hilfe aus dem Ausland ist daher gefragt

Mit diesen Erkenntnissen flog ich wieder zurück, mit dem festen Vorsatz, meine Hilfe einzubringen.

Ein erster Hilfstransport

Über einen aufgelassenen Standort des Behördenselbstschutzes bei einer Bundesdienststelle gelang es noch im Herbst 2001 persönliche Schutzausrüstung und Geräte sowie Armaturen zu bekommen.

Mit einem Transport von Feuerwehrfahrzeugen aus Linz/Oberösterreich konnte dann das dringend gebrauchte Material nach Samos verbracht werden.

 

Meine Erfahrungen trug ich dem Vorstand der Samos-Hilfe Deutschland vor, der mir den Auftrag erteilte, bei einem weiteren Besuch noch mehr Einblick zu gewinnen Bei dieser zweiten Reise im Frühjahr 2002 verschaffte ich mir dann einen genauen Überblick über den Stand der Freiwilligen Feuerwehren auf der Insel. Die Stadt Karlóvasi mit einem sehr aufgeschlossenen Bürgermeister unterstützte mich dabei außerordentlich. Mit einem griechischen Freund, der in den Sommermonaten bei der Berufsfeuerwehr tätig ist, ging es zehn Tage lang zu den verschiedensten Standorten.

 

Wieder zu Hause hieß es bei vielen Feuerwehren wegen gebrauchtem, aber noch einsatzfähigen Material nachzufragen. Auch bei einer Schlauchweberei baten wir um Restposten von B- und C-Schläuchen. Über 1,5 km Schlauchreste (die Restlängen waren 1 -3 m kürzer als es bei uns die Norm verlangt; dann müssen eben eine oder mehrere Längen zusätzlich verlegt werden) galt es zu sortieren. Insgesamt 30 Kisten mit Material und Ausrüstung konnten schließlich verpackt und in Begleitung des Verfassers sowie eines weiteren Helfers nach Samos transportiert werden.

Wieder zu Hause hieß es bei vielen Feuerwehren wegen gebrauchtem, aber noch einsatzfähigen Material nachzufragen. Auch bei einer Schlauchweberei baten wir um Restposten von B- und C-Schläuchen.

Über 1,5 km Schlauchreste (die Restlängen waren 1 - 3 m kürzer als es bei uns die Norm verlangt; dann müssen eben eine oder mehrere Längen zusätzlich verlegt werden) galt es zu sortieren. Insgesamt 30 Kisten mit Material und Ausrüstung konnten schließlich verpackt und in Begleitung des Verfassers sowie eines weiteren Helfers nach Samos transportiert werden.

Die Tage vor Ort waren ausgefüllt mit der Ausgabe von Ausrüstung und Gerätschaften. Da der Bedarf überall groß war, musste für eine gerechte Ausgabe gesorgt werden. Aber ganz gleich, wie viel Material übergeben werden konnte, die Aufnahme war immer herzlich. Auch zu später Stunde wurden noch Fragen und Bitten an mich herangetragen, beispielsweise wie meine Meinung zum weiteren Aufbau der Freiwilligen Feuerwehren auf der Insel sei und welche Möglichkeiten ich sehen würde. Auch die Organisation des Feuerwehrwesen in Bayern, Fragen der Finanzierung und Ausbildung usw. interessierten sehr.

Da meine griechischen Freunde noch mehr über unser Feuerwehrwesen und auch meine Heimatstadt erfahren wollten, planten sie einen Besuch in Passau. Ende Dezember 2002 konnte dieser Besuch dann realisiert werden, im Zuge eines abwechslungsreichen Programms gewann die Gruppe viele Eindrücke.

PLF für Pythagorion

Im Frühjahr 2003 wurde mir von der Internationalen Feuerwehrhilfe Lappersdorf die Möglichkeit eröffnet, den Feuerwehren auf der Insel Samos ein Pulverlöschfahrzeug aus den Beständen der Esso-Werkfeuerwehr Ingolstadt zur Verfügung zu stellen. Nach einigen Gesprächen erklärten sich die Stadt und die FF Pythagorion bereit, dieses Spezialfahrzeug zu übernehmen. Dieser Standort bot sich aus mehreren Gründen an

Neben der Verstärkung des Brandschutzes des einzigen Flughafens auf der Insel kann das Fahrzeug allen Inselteuerwehren bei der Bekämpfung etwaiger Brände mit gefährlichen Flüssigkeiten dienen.

Es nahm viel Zeit in Anspruch, eine kostenlose Schiffspassage zu erhalten. Die Fähren waren wegen der Hauptreisezeit im Juli nahezu ausgebucht und entsprechend teuer.

Die Fahrzeugüberführung bewerkstelligten Albert Schiegl von der Staatl. Feuerwehrschule Regensburg und Oberbrandmeister Maximilian Landsmann von der BF Regensburg. Ich selbst steuerte einen VW- Transporter, der von der VW-Gebietsvertretung Regensburg zur Verfügung gestellt wurde und bis an die zulässige Gewichtsgrenze mit Ausrüstung und Gerät vollgepackt war. Mit dabei auch noch ein Kreisbrandmeister des Landkreises Passau.

Die Reise verlief größtenteils problemlos, nur auf der Fahrt von Patras nach Piräus war es wegen eines Streiks der Tankwagenfahrer schwierig, an Diesel zu heran zukommen.

Da Kamerad Schiegl seit Jahrzehnten besonders im Technischen Prüfdienst und bei Lehrgängen tätig ist, war es seine vorrangige Aufgabe, die verschiedensten Feuerwehrpumpen (ob TS oder Einbaupumpen)

einer Inspektion zu unterziehen und den Feuerwehren der Insel wertvolle Tips und Anregungen zu geben. Auch kleinere Reparaturen wurden an Ort und Stelle durchgeführt.

Albert Schiegl war in seinem Element, als er mit Hilfe eines Dolmetschers, von Zeichnungen im Sand und ausdruckreichen Gesten 'seine Maschinisten' ausbildete. Natürlich erfolgte auch eine gründliche Einweisung der örtlichen Feuerwehrangehörigen in die Bedienung des Pulverlöschfahrzeuges.

Mit einer bis auf den letzten Platz besetzten Normalfähre traten wir nach 10 Tagen die Rückreise an. Das hieß 16 Stunden Fahrzeit und schlafen in Sesseln oder auf dem Fußboden. Die raue See tat ein übriges, die Reise etwas ungemütlich zu gestalten.

Weitere Reise

Durch meine Erzählungen weckte ich bei meinen Freunden die Neugier auf die Insel, so daß vier von ihnen meine Frau und mich auf einer fünften Samosreise begleiteten. Es sollte vorrangig eine Woche 'Urlaub' werden, doch es kam natürlich wieder anders:

Auf das Gepäck jeden Reiseteilnehmers verteilt brachten wir Pumpeneingangssiebe, Dichtungen, C-Schläuche, Sprengringe, Kupplungen und Schutzanzüge mit. Der Wunschzettel, den ich diesmal bei meiner Abreise mitbekam, fiel schon länger aus:

Da die Stadt Pythagorion den Bau eines Feuerwehrgerätehauses plant, wurden bayerische Planungsrichtlinien erbeten

Ein Atemluft-Kompressor, ein Wassertransportfahrzeug, ein Stromaggregat und hydraulische Rettungsgeräte standen außerdem ganz oben auf der Liste.

Aktivitäten 2004

Auch in diesem Jahr ist es möglich, die Hilfsaktion fortzusetzen So erhält die Feuerwehr Marathokampos ein TLF 16 aus Niedersachsen (Sehnde) und an die FF Karlóvasi im Norden der Insel geht ein LF 16 TS aus Hagen. Für die Wehr in Pythagorion konnte der dringend benötigte Atemluftkompressor, ein gebrauchter hydraulischer Rettungssatz sowie persönliche Schutzausrüstung beschafft werden. Die Übergabe der Fahrzeuge und Geräte wird natürlich immer mit einer gründlichen Einweisung verbunden.

Ich freue mich sehr, daß mir viele Feuerwehren bei dieser Aktion helfend zur Seite stehen und wäre für weitere Unterstützung natürlich dankbar - denn nach wie vor ist der Bedarf groß!

Abschließend ist festzustellen, daß eine sinnvolle Hilfe beim Aufbau der Freiwilligen Feuerwehren auf der Insel langfristig angelegt sein muß Da die Griechen sehr stolz sind, gilt es dabei auch mit Feingefühl vorzugehen : 'Oberlehrermethoden' sind fehl am Platz

Wenn angedachte Maßnahmen auch hie und da nicht unmittelbar zum Erfolg führen, darf man sich trotzdem nicht zurück ziehen, denn die vielen neu gewonnenen Freundschaften entschädigen für kleine Enttäuschungen.

 

Verfasser: Josef Aschenbrenner (Stadtbrandrat a.D. Passau)

Anmerkung: Feuerwehren, die die Hilfsaktion unterstützen möchten, können sich mit dem Verfasser des Beitrages unter der Rufnummer 0851/54884 in Verbindung setzen.

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