Hoffnung für Samos

Frankfurter Rundschau


Ioannis Dimas hilft bei der materiellen und ideellen Wiederaufforstung seiner Heimat

Im vorigen Sommer wurde die griechische Insel Samos von verheerenden Waldbränden verwüstet. Ioannis Dimas arbeitet als Mitglied der Internet-Initiative http://www.samoshilfe.net an der materiellen und ideellen Wiederaufforstung seiner Heimat. Seine Familie lebt auf Samos.

 

Das Interview führte Reiner Leinen.

Wie sieht es heute, neun Monate nach den Waldbränden, auf Samos aus?

Die geschädigte Gesamtfläche ist etwa 165 Quadratkilometer groß, größer als die Ägäis-Inseln Mykonos und Skiathos zusammen. Der entstandene Schaden ist immens und kaum zu beziffern. Die Geschädigten werden aus diversen Fonds in Griechenland und der EU Mittel erhalten, um Häuser wieder aufzubauen, Weingärten und Olivenhaine neu anzulegen. Es handelt sich hier allerdings um einmalige Hilfeleistungen, ein Weingarten bringt jedoch erst nach vier bis fünf Jahren, ein Olivenhain nach zehn bis zwölf Jahren einen vernünftigen Ertrag.

Und nun bleiben auch noch die Touristen weg. Was bedeutet das für die Insel?

Der Rückgang der Touristenzahlen bedroht viele Existenzen. Vor allem kleinere Familienbetriebe in den betroffenen Regionen werden Probleme beim Absatz ihrer Produkte wie Kräuter, Honig oder Kunsthandwerk bekommen, da Touristen diese Gegenden nicht mehr besuchen. Die Straße von Nord nach Süd verlief durch wunderbare Wälder, vorbei an kleinen Läden und netten Tavernen. Heute findet man dort tote braune Flecken, die von weitem den Eindruck eines Herbstwaldes erwecken. Aus reiner Freude wird jetzt niemand mehr mit dem Leihwagen durch diese Gegenden fahren wollen. Vor allem ist damit zu rechnen, dass die vielen Wandergruppen, die im Frühjahr und Herbst nach Samos kamen, nicht mehr so stark vertreten sein werden.

In offiziellen Statements wurde immer wieder beteuert, dass die rasche Ausweitung der Brände nicht auf die unzureichende Logistik in der Brandbekämpfung zurückzuführen war. Hofft man nun schicksalsergeben, dass eine Katastrophe solchen Ausmaßes nicht wiederholt?

Es sind Löschfahrzeuge angeschafft worden, weitere freiwillige Feuerwehrleute wurden rekrutiert und ausgebildet. Außerdem werden Feldwege verbreitert und neue Brandschneisen angelegt. Das Stromnetz wird ausgebaut, um auch private Pumpen und Brunnen in die Brandbekämpfung einbeziehen zu können. Bei allen Bemühungen, die Logistik auf der Insel noch weiter zu verbessern, darf man aber nicht vergessen, dass erst die extreme Wetterausnahmesituation des vergangenen Sommers - mit Temperaturen bis zu 45 Grad und Windstärken von acht bis zehn -die Katatstrophe möglich gemacht hat.

Eine Katastrophe, die von skrupellosen Immobilienmaklern begrüßt, wenn nicht geschürt wurde?

Es handelt sich definitiv um eine Naturkatastrophe und nicht um 'Immobilienbrände', wie immer wieder zu lesen war. Die wären auch sinnlos, denn in Waldgebieten darf auf Samos nicht gebaut werden, selbst wenn der Wald zwischenzeitlich nicht mehr existiert.

Muss demnach in der bevorstehenden Urlaubs-Saison von einer Samos-Reise abgeraten werden?

Die touristischen Einrichtungen befinden sich zu 90 Prozent in Küstennähe und waren bei den Bränden zu keiner Zeit gefährdet. Viele Touristen werden allerdings auch in Reisebüros verunsichert. Die Aufklärung über die auch heute noch sehr guten Urlaubsbedingungen bleibt aus und die Stornierung aller Samos-Flüge durch Hapag-Lloyd tut ihr Übriges. Tatsächlich bietet die Insel für Strand- und Wanderurlauber noch immer genügend Möglichkeiten. Und noch immer ist der Waldbestand der Insel größer als der der gesamten Kykladen.


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Dokument erstellt am 13.04.2001 um 21:17:40 Uhr
Erscheinungsdatum 14.04.2001
 

 

 

 

 

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