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Lesen Sie die Übersetzung eines englischen Berichtes des Senior Managers des Gerling Konzerns in Griechenland, Georgios Radoglou. Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche von Peter Glaeser.
Zweites Memorandum betr. Waldbrände auf der Insel Samos vom 13. Juli 2000
Verfasser: Georgios Radoglou, Gerling-Konzern Athen, Senior Project Manager
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit verheerenden Folgen brach das Feuer zum zweiten Mal auf Samos am 6. Juli gegen 19:30 Uhr aus.
Im Moment breitet sich das Feuer von mehreren Brandherden aus immer weiter über ein Areal von mittlerweile bereits 60.000 Stremmata (1 Stremma
= 1000 qm).
Heftiger Wind der Stärke 6 - 8 aus unterschiedlichen Richtungen gestaltet die Brandbekämpfungsmassnahmen extrem schwierig, denn die Feuerwehrleute müssen gegen bis zu 70 m hohe Flammen kämpfen. Zudem entsteht eine enorm starke thermische Strömung, was die Verbreitung des Feuers über die ganze Insel begünstigt.
Am 10. Juli befanden sich auf der Insel insgesamt 520 Feuerwehrmänner aus dem ganzen Land, die mit Hilfe von 60 Fahrzeugen und von der Luft aus mit drei M26-Hubschraubern und zwei C130-Flugzeugen gegen das Feuer ankämpften, um Leben und Besitz der Inselbewohner zu retten und um ein Ende der Zerstörung durch die Brände zu setzen, der bereits Tausende von Pflanzen und Tieren in der nahezu jungfräulichen Biosphäre der Insel zum Opfer gefallen sind.
Zwei Klöster, über 500 Jahre alt, und Teile von fünf Dörfern sind niedergebrannt. Glücklicherweise sind keine Menschenleben zu beklagen - eine tragische Ausnahme bildet der Tod einer 92-jährigen, die aus ihrem brennenden Haus noch etwas retten wollte und in den Flammen umkam.
Infolge der Brände brach die Stromversorgung teilweise ganz zusammen, so dass der gesamte westliche Teil von Samos sowie die Insel Fourni, die über ein Unterwasserkabel (??) an Samos angeschlossen ist, einige Tage ohne Strom auskommen mussten.
Sehr viele Touristen, die bereits auf der Insel sind, brechen ihren Urlaub ab, andere stornieren ihre Buchung, wobei die Reiseveranstalter hier sehr zuvorkommend reagieren und ihren Kunden sogar Alternativen anbieten: andererseits haben die Reiseveranstalter bisher nichts unternommen, um den von den Waldbränden geschädigten Insulanern zu helfen. Dabei ist Samos eines der wichtigsten Urlaubsziele im nördlichen Ägäis mit jährlich über 300.000 Touristen.
Die direkten und indirekten Schäden, die die Wirtschaft der Insel durch die Waldbrände zu beklagen hat, sind enorm. Und das ökologische Gleichgewicht der Natur ist am Umkippen.
Die am 11. Juli festgehaltene Bilanz bestätigt, dass das Jahr 2000 für das Ökosystem der Insel Samos das bisher schwärzeste ist: ¾ des Waldgebietes auf Samos sind zerstört. Es ist zu befürchten, dass viele Inselbewohner, besonders junge Leute, nach dieser Katastrophe Samos verlassen werden.
Obgleich der Wind nachgelassen hat und die meisten Brandherde anscheinend unter Kontrolle sind, ist die Situation noch nicht stabil, denn ein Wetterumschwung und das erneute Entflammen des Feuers sind nicht ausgeschlossen. Es kann noch einmal schlimm werden, zumal die auf die Insel entsandten Feuerwehrleute bald abgezogen werden müssen.
Am 12. Juli nahm der Wind wieder an Stärke zu und entfachte die Feuer erneut: die Situation ist wieder ernst. Durch die Deutsche Botschaft wurde die Bereitschaft signalisiert, Katastrophenhilfe durch die Bundeswehr und das Technische Hilfswerk sofort zu leisten. Dies setzt allerdings voraus, dass zuvor durch den Innenminister Griechenlands, Herrn Chryssocholdis, eine offizielle Bitte um Umstützung an die Deutsche Botschaft gerichtet wird. Bisher hat der Minister - soweit wir informiert sind - Anfragen lediglich an Frankreich und Italien gerichtet, die allerdings im Moment die gleichen Probleme haben wie Griechenland und daher nicht in der Lage sind, Hilfe zu entsenden. Heute morgen wurde der Minister durch den Gerling SDP Athen telefonisch über die Situation und die Bereitschaft der Deutschen Botschaft, Hilfe zu organisieren, informiert. Nur noch die schriftliche, offizielle Anfrage durch den Minister an die Botschaft steht noch aus. Wird sie vorgelegt, sind die ersten Hilfstruppen aus Deutschland innerhalb von 5 Stunden vor Ort.
In der Zwischenzeit sind Hilfsangebote auch von internationalen Unternehmen bei uns eingegangen. Der Kontakt und die Koordination zwischen dem privaten Sektor (technische, organisatorische und ökonomische Unterstützung) und den griechischen staatlichen Stellen und den internationalen Feuerwehreinheiten wird sicherlich ein erheblicher, positiver Beitrag sein und helfen, die Schäden auf Samos einzugrenzen.
Das Augenmerk muss im Moment aber auf das Wesentliche gerichtet werden, nämlich auf die Zeit nach dem Wüten des Feuers. Dem Feuer folgt eine ökologische Katastrophe - die Erosion des Erdbodens, auf Samos gibt es unzählige tiefe Schluchten - was letztendlich noch schlimmer sein wird als die Brände.
Es ist unerlässlich, für Samos einen Katastrophenplan zu entwickeln und zu organisieren, der direkte, positive Auswirkungen auf die Situation vor Ort haben wird. Gerling SDP Athen hat bereits einen Plan zur längerfristigen Entwicklung der Präfektur von Samos erarbeitet, der vorsieht, innerhalb der nächsten zwei Jahre die Folgen der Katastrophe zu untersuchen und direkte Hilfe zu initiieren, sowohl im technischen, organisatorischen als auch im finanziellen Bereich.
SOFORTMASSNAHMEN
Wir fangen an mit einem Etat von 50.000,00 DM mit dem Ziel, mit diesem Geld in grösserem Rahmen durch Spendenaktionen weitere Mittel aufzutreiben. Dadurch sollen Spezialisten und spezielles Material finanziert werden, um in Zusammenarbeit mit internationalen Sachkundigen ein Konzept zu entwickeln, wie Waldbränden vorgebeugt, wie sie effektiver bekämpft und wie sie nach Verlassen der auswärtigen Feuerwehreinheiten besser unter Kontrolle gehalten werden können.
Längerfristig betrachtet sind allerdings von entscheidender Bedeutung Sofortmassnahmen, durch die der Bodenerosion, die den gewaltigen Bränden folgen wird, möglichst effektiv Einhalt geboten werden kann.
LÄNGERFRISTIGE MASSNAHMEN
Längerfristig muss durch eine zentrale, noch zu gründende Organisation gewährleistet sein, dass durch vorbeugende Massnahmen solche Naturkatastrophen schnell erkannt und mit Hilfe von entsprechender Technologie effektiv bekämpft werden können. Zur Unterstützung müssen technologische Hilfen wie z.B. Geo Information Systems (GIS) herangezogen werden, bei dem Umweltbeobachtungen via Satellit eingesetzt werden.
Ein technisch und organisatorisch effektiver Brandbekämpfungsplan muss folgendes beinhalten:
- Organisieren von Feuerbeobachtungsposten
- Detaillierter Notfallplan über Gegenmassnahmen
- Investitionsplan für technische Ausrüstung und Ausbildung von
- speziellen Bekämpfungseinheiten
- Einheiten von freiwilligen Helfern
- und der gesamten Bevölkerung auf Samos in Bezug auf richtige Sofortmassnahmen im Falle eines Waldbrandes
Die teilweise oder ganz niedergebrannten Wälder müssen gerodet und das Holz recycled werden. Dadurch werden Arbeitsplätze für diejenigen geschaffen, die durch die Brandkatastrophe am härtesten getroffen wurden und ihre Felder, Olivenbäume, Weinstöcke und vieles mehr verloren haben. Eine Anlage zur Herstellung von Biomasse hat ebenfalls Priorität, sie kann sich bei der Bearbeitung des ehemaligen Waldbodens als sehr nützlich erweisen.
- Freiwillige aus Griechenland und ganz Europa können bei der Aufforstung und Bepflanzung der Wälder und bei anderen notwendigen Hilfsaktionen eingesetzt werden. Ausser dass sie den Einheimischen bei der Aufbauarbeit helfen, lernen sie zugleich die Insel und seine Bewohner kennen und entwickeln auf diese Weise eine persönliche Beziehung zu Samos (einige von ihnen werden sicherlich zurückkehren und das Ergebnis ihrer Hilfe später sehen wollen). Die Freiwilligen sind gleichzeitig eine Einnahmequelle für die einheimische Wirtschaft, da sie für Unterkunft und Verpflegung selbst bezahlen werden, was in der jetzigen schlimmen Situation für die Unternehmen der Tourismus-branche auf der Insel willkommen sein wird.
- Die Insulaner selbst haben natürlich grösstes Interesse, die niedergebrannten Areale wieder aufzuforsten. Sie werden auch von der Möglichkeit Gebrauch machen können, freiwillige Helfer aufzunehmen und sie für ein oder zwei Wochen bei sich unterzubringen.
- Die Reiseveranstalter (z.B. TUI und andere) sollen in Pflicht genommen werden, damit sie die Hilfsmassnahmen mit Geldspenden oder europaweiten Aktionen ihrer Agenturen unterstützen werden. Es liegt vielfach in ihrem eigenen Interesse, die Insel so schnell wie möglich wieder aufbauen zu helfen. In jedem Fall wäre es gute Publicity, wenn sie auf diese Art und Weise demonstrieren würden, dass auch die Menschen und die Orte, die sie anfliegen, ihnen wichtig sind.
- Internationale und nationale Umweltorganisationen (z.B. WWF u.a.) sollen angesprochen werden, damit sie die breite Öffentlichkeit über die Ziele der Hilfsaktionen informieren und selbst auch aktiv teilnehmen und ihr Know-how zur Verfügung stellen.
- Brandbekämpfer und Aufforstungsexperten sollen in Zusammenarbeit ein Konzept entwickeln, wie die Wälder optimal aufgeforstet werden können (Art der Vegetation, Errichtung von Brandbekämpfungszonen usw.).
- Die einheimischen Behörden in Griechenland müssen letztlich die gesamten Hilfsaktionen unterstützen, indem ein gesetzlicher Rahmen geschaffen und entsprechende politische Massnahmen eingeleitet werden, um sicherzustellen, dass in den niedergebrannten Waldgebieten auch in Zukunft tatsächlich wieder Wald wachsen soll (Verlautbarung: Stylianos Loupasis)
WIR APPELLIEREN UM SOFORTIGE HILFE
Wir appellieren um schnelle, sofortige und unbürokratische Hilfe für die hier beschriebenen Sofortmassnahmen sowie um Ihre Unterstützung für die längerfristig geplante Hilfe.
Wir danken allen, die selbst aktiv helfen und andere über die benötige Hilfe informieren.
Herzliche Grüsse,
Georgios Radoglou
Senior Projekt Manager - Gerling SDP
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