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Verfasser: Georgios Radoglou, Gerling-Konzern Athen, Senior Project Manager
Sehr geehrte Damen und Herren,
Am Donnerstag, den 6. Juli 2000 gegen 19:30 brach das Feuer zum zweiten Mal im Jahr 2000 auf Samos mit verheerenden Folgen aus. Das Feuer breitete sich von mehreren Brandherden aus über ein großes Areal von über 25. 000 Stremmata ( 1 Stremma
= 1000qm). Es handelt sich dabei um erste Einschätzungen. Die offiziellen Angaben weichen voneinander sehr ab. Das Forstamt spricht von 40.000 Stremmata und das Landwirtschaftsministerium von 24.000 Stremmata. Fest steht, daß der heftige Wind mit einer Stärke von 6-8 Beaufort aus unterschiedlichen Richtungen die Brandbekämpfungsmaßnahmen extrem schwierig gestaltete, denn die Feuerwehrleute mußten gegen bis zu 70 m hohe Flammen kämpfen sowie einer enorm starken thermischen Strömung, die die schnelle Verbreitung des Feuers über die ganze Insel begünstigte.
Am 10. Juli befanden sich auf der Insel insgesamt 520 Feuerwehrmänner aus dem ganzen Land, die mit Hilfe von 60 Fahrzeugen und von der Luft aus mit drei M26-Hubschraubern und zwei C130-Flugzeugen gegen das Feuer ankämpften, um Leben und Besitz der Inselbewohner zu retten und um ein Ende der Zerstörung durch die Brände zu setzen.Tausende von Pflanzen und Tieren in der nahezu jungfräulichen Biosphäre der Insel sind den Bränden bereits zum Opfer gefallen.
Zwei Klöster, über 500 Jahre alt, und Teile von fünf Dörfern sind niedergebrannt. Glücklicherweise sind keine Menschenleben zu beklagen - eine tragische Ausnahme bildet der Tod einer 92-jährigen, die aus ihrem brennenden Haus noch etwas retten wollte und in den Flammen umkam.
Infolge der Brände brach die Stromversorgung teilweise ganz zusammen, so daß der gesamte westliche Teil von Samos sowie die Insel Fourni, die über ein Unterwasserkabel an Samos angeschlossen ist, einige Tage ohne Strom auskommen mußten.
Man rechnete damit, daß sehr viele Touristen die Insel verlassen würden während andere ihre Buchungen stornieren würden, was jedoch durch die Reiseveranstalter verhindert wurde. Diese informierten sich über die Situation und kamen zum Schluß, daß keine Gefahr für die Touristen bestand, sowie daß die Gegend der Küsten nicht besonders von den Bränden beeinflußt war. Die Reiseveranstalter boten einerseits ihren naturorientierten Kunden lokale alternative Aktivitäten und andererseits versuchen sie den von den Waldbränden betroffenen Insulanern zu helfen. Samos ist nämlich eines der wichtigsten Urlaubsziele in der nördlichen Ägäis mit über 300.000 Touristen jährlich.
Die direkten und indirekten Schäden, die die Wirtschaft der Insel durch die Waldbrände zu beklagen hat, sind enorm, und das ökologische Gleichgewicht der Natur ist vom Umkippen gefährdet.
Die am 11. Juli festgehaltene Bilanz bestätigt, daß das Jahr 2000 für das Ökosystem der Insel Samos das bisher schwärzeste ist: große Teile des Waldgebietes auf Samos sind zerstört. Die lokalen Behörden befürchten, daß viele Inselbewohner, besonders junge Leute, nach dieser Katastrophe Samos verlassen werden.
Obgleich an dem Tag (11. Juli) der Wind nachgelassen hatte, und die meisten Brandherde unter Kontrolle zu sein schienen, war die Situation noch nicht stabil, denn ein Wetterumschwung und das erneute Entflammen des Feuers könnten zu einer neuen Katastrophe führen, zumal die auf die Insel entsandten Feuerwehrleute bald abgezogen werden mußten.
Am 12. Juli nahm der Wind wieder an Stärke zu und entfachte erneut das Feuer, was zur Fortsetzung der Katastrophe führte. Durch die Deutsche Botschaft wurde die Bereitschaft signalisiert, Katastrophenhilfe durch die Bundeswehr und das Technische Hilfswerk sofort zu leisten. Dies setzte allerdings voraus, daß zuvor durch den Innenminister Griechenlands, Herrn Chryssochoidis, eine offizielle Bitte um Unterstützung an die Deutsche Botschaft gerichtet würde. Bisher hatte der Minister - soweit wir informiert waren- Anfragen lediglich an Frankreich und Italien gerichtet, die allerdings zu der Zeit die gleichen Probleme wie Griechenland hatten und daher nicht in der Lage waren, Hilfe zu entsenden. Am selben Morgen wurde der Minister durch den Gerling SDP Athen telefonisch über die Situation und die Bereitschaft der Deutschen Botschaft, Hilfe zu organisieren, informiert. Nur noch die schriftliche, offizielle Anfrage durch den Minister an die Botschaft stand noch aus. Sobald diese vorgelegen hätte, hätten die ersten Hilfstruppen aus Deutschland innerhalb von 5 Stunden vor Ort sein können.
Am Donnerstag den 15. Juli gaben der griechische Regierungschef Herr Simitis und sein Minister Herr Chryssohoidis im Parlament bekannt, daß sie Deutschland, die skandinavischen Länder sowie Israel und die Tschechische Republik sofort um Hilfe bitten würden. Deutschland sollte vor allem bei der Entwicklung eines Konzeptes zur Wiedergutmachung des Schadens helfen.
Der Verwaltungsapparat des griechischen Staates zusammen mit GSDP und privaten Sponsoren setzte am Freitag den 16. Juli seine Bemühungen erneut ein. In der Zwischenzeit sind Hilfsangebote auch von internationalen Unternehmen bei uns eingegangen. Der Kontakt und die Koordination zwischen dem privaten Sektor (technische, organisatorische und ökonomische Unterstützung), den griechischen staatlichen Stellen und den internationalen Feuerwehreinheiten wären sicherlich ein erheblicher, positiver Beitrag, die Schäden auf Samos eizugrenzen. Am Nachmittag desselben Tages hat die griechische Regierung den Hilfsruf an Deutschland zurückgezogen, da man die Lage als entschärft einstufte. Dies führte dazu, daß die privaten Hilfsgüter nicht nach Samos transportiert werden konnten.
Das Augenmerk muß im Moment aber auf das Wesentliche gerichtet werden, nämlich auf die Zeit nach den Waldbränden. Dem Feuer kann eine ökologische Katastrophe, die Erosion des Erdbodens, folgen, die letztendlich noch schlimmer sein wird als die Brände selbst. Auf Samos gibt es nämlich viele starke
Gefällestrukturen.
Es ist unerlässlich, für Samos einen Katastrophenplan zu entwickeln und zu organisieren, der direkte, positive Auswirkungen auf die Situation vor Ort haben wird. Viele einzelne Bemühungen wurden in Gang gesetzt, aber für die erneute Entwicklung der Insel wäre es viel effektiver, wenn die Koordination all dieser Bemühungen von einem Träger übernommen wird, der Vertreter der Präfektur, der Gemeinden sowie einheimische und ausländische Privatleute (z. B. Personen, Organisationen und Firmen mit Erfahrung in solchen Fällen) umfaßt. Gerling SDP Athen hat bereits einen Plan zur nachhaltigen Entwicklung der Präfektur von Samos erarbeitet, der vorsieht, die Folgen der Katastrophe zu untersuchen und direkte Hilfe zu initiieren, sowohl im technischen, organisatorischen als auch im finanziellen Bereich.
SOFORTMASSNAHMEN
Wir fangen an mit einem Etat von 100.000,00 DM mit dem Ziel, mit diesem Geld in größerem Rahmen durch Spendenaktionen weitere Mittel aufzutreiben. Dadurch sollen Spezialisten und spezielles Material finanziert werden, um in Zusammenarbeit mit internationalen Sachkundigen ein Konzept zu entwickeln, wie Waldbrände vorgebeugt, wie sie effektiver bekämpft und wie sie nach Verlassen der auswärtigen Feuerwehreinheiten besser unter Kontrolle gehalten werden können.
Hauptziel bleibt jedoch die übriggebliebenen Wälder vor neuen Bränden zu schützen. In den nächsten zwei Wochen sollten sich die Personen, die an den Hilfsmaßnahmen beteiligt sind, auf Samos treffen, um die Koordination aller bereits erwähnten Aktivitäten in Gang zu bringen. Die Gründung einer lokalen Feuerwehreinheit aus Freiwilligen sollte sofort geplant, organisiert und durchgeführt werden. Eine für die Bekämpfung des Feuers zuständige Schule sollte ebenfalls gegründet werden. Diese soll an alle interessierten Inselbewohner gerichtet sein, die in drei Gruppen unterteilt werden.
- Alle Interessenten, die auf Samos leben oder eine Zeitlang dort verbringen, sollten eine Ausbildung erhalten über die richtige Verhaltensweise im Falle eines Feuers insbesonder eines Waldbrandes.
- Leute mit beruflicher Tätigkeit auf der Insel, die sich gerne an einer Feuerwehreinheit beteiligen würden, sollten eine Ausbildung zur Bekämpfung der Waldbrände mit allen verfügbaren Mitteln erhalten.
- Leute, die über genügend Zeit verfügen, werden speziell augebildet, um in Fällen von Waldbränden durch Zugang zu Informationen, Strategien zu erarbeiten und Maßnahmen zu ergreifen. Sie werden das Bindeglied zwischen den Feuerwehrmännern und der lokalen Feuerwehreinheit sein und für eine optimale Koordination aller Kräfte sorgen.
Diese Schule kann im Gebäude der freiwilligen Feuerwehreinheit angesiedelt werden. Dort können alle Mittel sowie die Ausrüstung, die zur Bekämpfung des Feuers notwendig ist, aufbewahrt werden. Die dafür notwendigen Geldmittel können durch Sponsoren, lokale Behörden oder die Regierung selbst aufgetrieben werden. Dieses Gebäude könnte auch das Hauptquartier der Einsatzkräfte bilden, da es mit den notwendigen Kommunikationsmitteln ausgerüstet sein wird.
Mittelfristig betrachtet, sind allerdings von entscheidender Bedeutung Sofortmaßnahmen, durch die der Bodenerosion, die den gewaltigen Bränden folgen kann, möglichst effektiv Einhalt geboten werden kann.
MITTELFRISTIGE MASSNAHMEN
Mittelfristig muß durch eine zentrale, noch durchzuführende Organisation gewährleistet sein, daß durch vorbeugende Maßnahmen solche Naturkatastrophen schnell erkannt und mit Hilfe von entsprechender Technologie, effektiv bekämpft werden können. Zur Unterstützung müssen technologische Hilfen wie z.B. das Geo Informationssystem (GIS) herangezogen werden, bei dem Aufnahmen via Satellit eingesetzt werden.
Ein technisch und organisatorisch effektiver Brandbekämpfungsplan muß folgendes beinhalten:
- Organisieren von Feuerbeobachtungsposten
- Detaillierter Notfallplan über Gegenmassnahmen
- Investitionsplan für technische Ausrüstung und Ausbildung von
- speziellen Bekämpfungseinheiten
- Einheiten von freiwilligen Helfern
- und der gesamten Bevölkerung auf Samos in Bezug auf richtige Sofortmassnahmen im Falle eines Waldbrandes
Die teilweise oder ganz niedergebrannten Wälder müssen gerodet und das Holz recycled werden. Dadurch werden Arbeitsplätze für diejenigen geschaffen, die durch die Brandkatastrophe am härtesten getroffen wurden und ihre Felder, Olivenbäume, Weinstöcke und vieles mehr verloren haben. Eine Anlage zur Herstellung von Biomasse hat ebenfalls Priorität, sie kann sich bei der Bearbeitung des ehemaligen Waldbodens als sehr nützlich erweisen. (der Ort, wo sie gebaut werden soll wurde bereits im Mai festgelegt)
- Freiwillige aus Griechenland und ganz Europa können bei der Aufforstung und Bepflanzung der Wälder und bei anderen notwendigen Hilfsaktionen eingesetzt werden. Außer daß sie den Einheimischen bei der Aufbauarbeit helfen, lernen sie zugleich die Insel und ihre Bewohner kennen und entwickeln auf diese Weise eine persönliche Beziehung zu Samos (einige von ihnen werden sicherlich zurückkehren und das Ergebnis ihrer Hilfe später sehen wollen). Die Freiwilligen sind gleichzeitig eine Einnahmequelle für die einheimische Wirtschaft, da sie für Unterkunft und Verpflegung selbst bezahlen werden, was in der jetzigen schlimmen Situation für die Unternehmen der Tourismusbranche auf der Insel willkommen sein wird.
- Die Insulaner selbst haben natürlich grösstes Interesse, die niedergebrannten Areale wieder aufzuforsten. Sie werden auch von der Möglichkeit Gebrauch machen können, freiwillige Helfer aufzunehmen und sie für ein oder zwei Wochen bei sich unterzubringen.
- Die Reiseveranstalter (z.B. TUI u. a.) sollten die Hilfsmaßnahmen mit Geldspenden oder Aktionen ihrer europaweiten Agenturen unterstützen. Es liegt vielfach in ihrem eigenen Interesse, so schnell wie möglich beim Aufbau der Insel zu helfen. In jedem Fall wäre es gute Publicity, wenn sie auf diese Art und Weise demonstrieren würden, daß auch die Menschen und die Orte, die sie anfliegen, ihnen wichtig sind. (unternehmerisch soziale Verantwortung)
- Internationale und nationale Umweltorganisationen (z.B. WWF u.a.) sollen angesprochen werden, damit sie die breite Öffentlichkeit über die Ziele der Hilfsaktionen informieren und selbst auch aktiv teilnehmen und ihr Know-how zur Verfügung stellen.
- Brandbekämpfer und Aufforstungsexperten sollen in Zusammenarbeit ein Konzept entwickeln, wie die Wälder optimal aufgeforstet werden können (Art der Vegetation, Errichtung von Brandbekämpfungszonen usw.).
- Die einheimischen Behörden in Griechenland müssen letztlich die gesamten Hilfsaktionen unterstützen, indem ein gesetzlicher Rahmen geschaffen und entsprechende politische Massnahmen eingeleitet werden, um sicherzustellen, dass in den niedergebrannten Waldgebieten auch in Zukunft tatsächlich wieder Wald wachsen soll (Quelle der 6 Aufzählungspunkte: Stylianos Loupasis)
WIR BITTEN UM UNMITTELBARE HILFE
Wir bitten um schnelle, unmittelbare und unbürokratische Hilfe für die hier beschriebenen Sofortmaßnahmen sowie um Ihre Unterstützung für die mittelfristig geplanten Maßnahmen.
Wir danken allen, die selbst aktiv helfen und andere über die benötige Hilfe informieren.
Nachhaltige Grüsse,
Georgios Radoglou
Senior Projekt Manager - Gerling SDP
Auflistung der notwendigen Mittel und Hilfe
I. Ausrüstung für die Gruppe der Freiwilligen
- Motorsägen mit der notwendigen Schutzausrüstung und den Ersatzteilen
- Funkgeräte
- Feuerfeste Uniformen für die Freiwilligen
- Spezielle Schuhe für die Freiwilligen
- Feuerwehrwagen (4x4 ), die auf unwegbare Landflächen fahren können und nicht viel wiegen
- Besondere feuerbekämpfende Produkte für Waldbrände, die in Mischung mit Wasser benutzt werden können.
- Infrarot- Kameras zur Identifizierung von Wärmequellen, die zur Neuentzündung des Feuers führen.
II. Geldmittel für folgende Projekte
- Mit Biomasse betriebene Turbogeneratoren, die mit verbranntem Holz 1 MW Elektrizitätskraft produzieren. Geschätzte Kosten für ein neunmonatiges Projekt: 2.8 Mio Euro
- Anlage zur Verarbeitung von Biomasse in Zusammenhang mit Projekt Nr. 1, wie z. B. organische Überreste aus Wäldern und landwirtschaftlichem Anbau, organische Abfälle
u. a.. Geschätze Kosten: 0. 5 Mio Euro
- Geographisches Informationssystem Projekt für die Erstellung einer GIS Datenbank, um den Schaden einzuschätzen und die Aufforstung zu planen. Außerdem soll die Vorgehensweise in Alarmzuständen geplant werden unter Berücksichtigung der Straßen und Fußwege der Insel sowie der Morphologie des Landes und der lokalen Wetterverhältnisse zum Zeitpunkt der Feuerentstehung. Geschätzte Kosten: 0.5 Mio Euro für die gesamte GIS Datenbank der Präfektur von Samos.
- Eine wissenschaftliche Studie für die gesamte Aufforstung von Samos mit Vorschlägen für die korrekte Verwaltung der Wälder während und nach Vollendung des Aufforstungsprozeßes sowie für angemessene Vorbeugungsmaßnahmen.
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