Ich wohne auf Samos in Ano Vathi und lese gerade, was an wilden Spekulationen über die Brände hier blüht. Deshalb mal eine kurze Zusammenfassung, was tatsächlich passiert ist:

8 Dörfer und ein Haufen Hotels sind seit Donnerstag evakuiert worden. Mittlerweile sind aber alle zurück. Verletzt wurde niemand ernsthaft. Natürlich haben die meisten Touristen zumindest in ihrem Leben noch keine 50 Meter hohen Flammenwände in Sichtweite ihrer Behausung gehabt, wodurch es teilweise sehr panisch wurde.

Ansonsten sind eben 40% der Insel zerstört. Bei der Tatkraft von Regierung und Bevölkerung sind grössere Aufforstungsanstrengungen wohl nicht zu erwarten, so dass es hier in ein paar Jahren aussehen dürfte wie auf Santorin. Für Ortskundige: Betroffen ist eine Fläche, die im Osten bei einer Linie Kokkari/Mytilini beginnt und im Südosten am Flughafen endet. Im Westen verläuft die Grenze zwischen Pirgos und Platanos Richtung Vouriiotes. Mit anderen Worten: das gesamte Zentrum der Insel ist weitgehend zerstört.

Häuser wurden allerdings nur begrenzt beschädigt. Die Zahlen schwanken zwischen 50 und 90. Der wirtschaftliche Schaden ist nicht abzusehen. Aber da über 90% der Leute hier direkt oder indirekt von Tourismus und Landwirtschaft abhängen, kann man sich das ja vorstellen. Es ist zu vermuten, dass sich Teile des Waldes wieder regenerieren, aber natürlich nur, wenn es nicht wieder brennt und wenn wenigstens Wälle gebaut werden, damit nicht der erste Regen den Boden wegschwemmt.

Zum Tourismus: Wenn man Badeferien machen will, kann man das so gut wie sonst auch. Wenn man allerdings wandern oder über Land reisen will, macht das nur Spass, wenn man einen Faible für Kriegsgebiete hat.

Das ist natürlich zweischneidig. Einerseits braucht die Insel jeden Touristen gerade jetzt, andererseits ist es unverantwortlich, Leuten vorzumachen, hier wäre alles normal. Insbesondere, weil das dann auch die Regierung nur allzu gerne glaubt und hier erst recht nichts an Aufbaumassnahmen passieren wird.

Ergänzung von Tobi am 16.07.00

Es stehen noch alle Dörfer, wenn auch in Stavrinides, Koumaradei und Pirgos ein paar Häuser fehlen. Zu freistehenden Häusern kann ich unmöglich was sagen. Es stehen auch noch alle Hotels und Pensionen. Der Wald zwischen Pirgos und Kokkari, also der östliche Rücken des Ampelos-Massivs, ist mehr oder weniger vollständig verbrannt. Das gilt auch für das Kloster Moni Vronda (siehe Fotos).

Von Kokkari aus sieht man davon sehr wenig; wer nicht gerade ein Wandervogel ist, kann hier mehr oder minder unbeschwert Urlaub machen. Bitter wird das nur für uns hier, wenn der erste Regen den Boden wegschwemmt. Daher werden Anstrengungen unternommen, von der Regierung Setzlinge zum Aufforsten zu bekommen. Druck in dieser Richtung wäre schon mal nicht verkehrt ...

(Tobi)    

 

 

 

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