Die Dioptra, das Mehrzweck-Instrument der Antike

Heron aus Alexandria (um 100 n. Chr.) beschreibt in seinem gleichnamigen Lehrbuch die Dioptra, das am vielseitigsten verwendbare Vermessungsinstrument der Antike. Das Gerät besteht aus einem Ständer mit zwei Schneckengetrieben, mit denen eine kreisförmige Scheibe in der waagerechten und senkrechten Ebene gedreht werden kann. Auf der Scheibe sind zwei senkrecht zueinander stehende Durchmesser eingezeichnet. Durch Zielen über diese beiden Durchmesser mit Hilfe eines um den Scheibenmittelpunkt drehbaren Visierlineals mit Diopter können rechte Winkel abgesteckt werden. Höhenunterschiede lassen sich ausmessen, wenn man die Kreisscheibe gegen ein U-förmiges, mit Wasser gefülltes Glasrohr austauscht. Die gedachte Verbindungslinie der Wasserspiegel in den beiden senkrechten Enden des U-Rohres ist stets waagerecht. Visiert man entlag dieser Linie eine Meßlatte an, die senkrecht auf einem Punkt steht, so kann an der Längenteilung der Latte der Abstand des Punktes von der Visierlinie abgelesen werden. Wird der Messvorgang für einen zweiten Punkt wiederholt, so erhält man dessen Abstand von der Visierlinie. Die Differenz der beiden Abstände ist der Höhenunterschied zwischen den Punkten. Mit der Dioptra und ihrem Zubehör lässt sich eine ganze Reihe von vermessungstechnischen Aufgaben lösen, die Heron in seinem Lehrbuch beschreibt. Dazu gehört das indirekte Ausmessen von Turm- und Berghöhen oder von unzugänglichen Entfernungen, etwa zu einem Punkt jenseits eines Flusses. Sogar für astronomische Beobachtungen war die Dioptra geeignet.

Dioptra nach Heron

Es ist keine Dioptra aus der Antike überliefert. Wir kennen aber sie Schriften Herons, dessen Name uns geläufig ist durch die nach ihm benannte Formel zur Berechnung des Flächeninhalts eines Dreiecks. In seinem Buch „Über die Dioptra“ gibt er eine solch gute Beschreibung mit Maßangaben, dass die Dioptra rekonstruiert werden konnte.

Nachbau der Dioptra

Das Visierlineal mit Diopter ist um den Scheibenmittelpunkt drehbar. Bei horizontaler Lage der Scheibe lassen sich durch Visieren entlang der beiden Durchmesser rechte Winkel abstecken. Durch Drehen der Kurbeln nimmt die Scheibe jede gewünschte Lage ein. Wird sie in die Ebene zweier Zielpunkte gebracht, so kann der Winkel zwischen den Richtungen zu den Punkten gemessen werden (sog. Positionswinkel).